Wandel der Krebstherapie

In den letzten Jahren hat die Krebstherapie deutliche Fortschritte erzielt. Durch das verbesserte Verständnis der Krebsentstehung haben sich neue Therapie-Möglichkeiten entwickelt, die viel gezielter gegen die Krebszellen wirken können. Es wurden auch neue Chemo- und Immuntherapeutika entwickelt, mit denen besser Krebserkrankungen behandelt werden können. Anhand einiger Therapieoptionen bei Leukämie, Lymphome und Nieren- bzw. Weichteilkrebs sollen neue Entwicklungen dargestellt werden:

1.) Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Diese Leukämieform galt lange Zeit als „indolent“ (sie verhält sich relativ gleichgültig gegenüber Therapiemöglichkeiten) und daher wurde die CLL nur selten behandelt. Sicher gibt es nach wie vor noch Krankheitsverläufe, die über Jahre bzw. Jahrzehnte stabil bleiben, aber bei Verschlechterung des Blutbildes oder Lymphknotenwachstum mußte eingegriffen werden. Durch die bessere (molekulare) Charakterisierung der Erkrankung kann heute relativ sicher der Krankheitsverlauf prognostiziert werden. Bei „Hochrisiko-CLL“ muß eine Kombination von Chemotherapie mit Immuntherapie (Antikörpertherapie s.Abb.1) erwogen werden. Dadurch ist ein besseres Ansprechen (komplette Remission) zu erzielen, das zu einer Lebensverlängerung führt. Wir haben derzeit 2 hochpotente Antikörper (Mabthera und Mabcampath) zu Verfügung und es werden neue Antikörper derzeit in klinischen Studien getestet.

Bei eingen Patienten kann sogar ein „Verschwinden“ der Erkrankung erzielt werden – ein erster Schritt zu einer möglichen Heilung ?

2.) Das follikuläre Non Hodgkin Lymphom

Die Antikörpertherapie mit Mabthera (verbunden mit Chemotherapie) ist auch bei dieser Erkrankung heute eine Standardtherapie geworden. Auch diese Lymphomerkrankung, die nicht immer bei Diagnosestellung einer Behandlung bedarf, wurde damit besser steuerbar. Wir können dadurch auch komplette Remissionen erzielen; jedoch benötigt diese Krankheit meist eine Erhaltungstherapie mit Immuntherapeutika. Ein neues Wirkungsprinzip – die Radioimmuntherapie (RIT s.Abb.2): eine sogenannte „innere Bestrahlung“ ( Antikörper gekoppelt mit „strahlenden“ – Radioisotope – Substanzen / Medikament: Zevalin ) kann dem Patienten in Zukunft vielleicht eine jahrelange Immuntherapie ersparen. Ein „neues“ (schon vor Jahren entwickeltes) Chemotherapeutikum (Bendamustin), dessen nebenwirkungsarmes Therapieansprechen in großen Studien belegt werden konnte, ist als zusätzliches Instrumentarium in die Therapie dieser Lymphome eingeführt worden. Es hat auch gute Wirkung bei CLL und Multiplem Myelom und Brustkrebs gezeigt.

3.) Weichteilsarkome:

Diese Erkrankungen sind – Gott sei Dank – selten vorkommend, bei fortgeschrittenem Tumorbefund waren die internistischen Therapie-Möglichkeiten bisher sehr eingeschränkt. Umso erfreulicher war daher die Entwicklung eines Chemotherapeutikums aus dem Meer – Extrakt von Seescheiden – mit dem Namen Trabectedin (Yondelis). Dadurch besitzen wir nun eine gute Möglichkeit einer „second line“ Therapie bei Versagen des primären Chemotherapiekonzeptes. In Studien zeigte sich diese Substanz auch für die Behandlung von Eierstockkrebs als sehr wirksam.

4.) Nierenkrebs:

Chemotherapeutika waren beim fortgeschrittenen oder metastasierten Nierenzellkrebs nur bedingt wirksam. Früher waren Immuntherapeutische Ansätze (z.B. mit Interferon) die Therapie der Wahl. Als nun zielgerichtete („targeted therapies“ s.Abb.3) Therapien mit Multikinaseinhibitoren in der Krebsbehandlung eingesetzt wurden, zeigten sich gerade beim Nierenkrebs mit Sutent (später auch mit Nexavar) gute Erfolge. Im letzten Jahr ist auch ein neuer Wirkstoff: Torisel für Nierenkrebs zugelassen worden. Dadurch haben wir 3 neue Substanzen zur Verfügung, die – bei geringer Toxizität bei älteren Nierenkrebspatienten – eine Lebensverlängerung bewirken können.

Diese große Anzahl von neuen Krebsmedikamenten, die uns heute z.T. schon zur Verfügung stehen und gemeinsam mit oder anstatt einer Chemotherapie eingesetzt werden können haben die Tumortherapie wesentlich erweitert. Sie müssen – schon aufgrund des Preises – gezielt bei den Patienten eingesetzt werden, deren Krebserkrankung ein geeignetes Ziel dieser „targeted therapies“ darstellt. Wir dürfen berechtigte Hoffnung haben, daß mehr Krebserkrankungen mit diesen „tumorwachstum-regulierenden“ Medikamenten gebessert bzw. geheilt werden können.

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