Psychotherapie und Astrologie?

Gibt es eine förderliche Zusammenarbeit zwischen Psychotherapie und Astrologie?

Therapie wird als Veränderung definiert, besser gesagt: als Eröffnung der Möglichkeit zu Veränderung.

Veränderung, das ist sowohl im körperlichen als auch im geistigen und seelischen Bereich gemeint oder: in allen Bereichen unseres Lebens.

Die Richtung der Veränderung sei die Gesundheit, sagt man, beziehungsweise die Genesung. Therapie – Genesung. Wir glauben jedoch, dass der Mensch nicht nur zwischen Gesund- oder Kranksein einzuschränken ist. Sondern es gibt ganz andere Begriffspaare wie heil und unheil beispielsweise. Man kann krank sein und gleichzeitig ganz heil – Krankheit trägt meistens sogar zur geistigen Heilung bei - und man kann gesund sein und gleichzeitig sehr viel Unheil anrichten!

Das Ziel der Psychotherapie ist es den Menschen in seiner individuellen Entwicklung zu fördern, um das zu werden was er wirklich ist, als was er angelegt ist. Man merkt hier gleich, wie förderlich die Zusammenarbeit mit der Astrologie sein kann, weil diese ja den kosmischen Spiegel in den Händen hält, der für die Erkenntnis unserer Anlagen sehr bedeutsam ist. Das Ziel der Psychotherapie und der astrologischen Beratung wird ident, wenn man das „Mensch werde, was du bist“ - die Zunahme der Bewusstwerdung - als Sinn des Lebens betrachtet. Ausrichtung hängt mit Sinnfindung im Leben zusammen; und beide die Psychotherapie und die Astrologie sind Erkenntniswege ausgerichtet auf diese Sinnfindung hin. Sinnvoll sind beide nur, wenn der Mensch gewürdigt wird als Teil des ganzen Universums mit seiner Frage: Warum, wie und wozu lebe ich?

Ein wesentliches Mittel dieses Ziel zu erreichen ist der Dialog.

Geringer ideologischer Überbau ist dabei von Nutzen. Das heißt nicht, dass die Idee von Ursache und Wirkung ausgeblendet werden soll. Die Psychotherapie begibt sich aber häufig auf ein Gebiet des anschaulich intuitiven Denkens und ist in diesem Bereich der astrologischen Betrachtungsweise verwandt.

Also zum Dialog:

Wir Menschen leben dauernd in einem inneren Dialog, der unser Wollen, Denken, Empfinden und Handeln begleitet. Wir erfahren etwas, setzen das Wahrgenommene den Innenräumen unsrer empfindenden Seele aus und führen mit uns „selbst“ ein Zwiegespräch. Dabei verändern wir uns und damit zugleich unsere Selbstbewusstheit. Den inneren Dialog lediglich zwischen dem Erleben und dem Selbstbewusstsein anzusiedeln, dient der Anschaulichkeit. Es sind viele Seelenanteile in verschiedenen Schichten, die miteinander in Verbindung treten. Das nähert sich der Betrachtungsweise eines Horoskops.

Das Geburtshoroskop ist eine Augenblicksaufnahme, die den Moment des sich immerwährend drehenden Tierkreises und des gegenübergestellten eigenen, menschlichen Kreises ( der zwölf Häuser ) zeigt. Beide Kreise stehen bei der Geburt in einem einzigartigen Verhältnis zueinender. Die Lage der kreisenden Planeten in diesem Moment kommt als vielschichtiger Filter hinzu. Viele, allein durch die Namen der Planeten hervorgerufene, mythologische Bilder – auch in der Psychotherapie werden sie gebraucht - bestätigen diese Vielschichtigkeit des zu betrachtenden Menschen.

Wenn wir eine Gesprächspartnerschaft finden, die mit uns in eine unvoreingenommene und ehrliche Beziehung tritt, erleben wir einen zwischenmenschlichen Dialog, der uns viele weitere Seelenräume öffnet.

In diesen Räumen sind natürlich Erlebnisse und Wissen gespeichert; die Räume sind ja riesengroß. Bei manchen Personen ist da beispielsweise auch das Wissen der Astrologie. Dieses Wissen wird den Dialog natürlich beeinflussen. Ist es doch für jeden therapeutisch oder beratend tätigen Menschen wichtig zu wissen: wo die Grenze zwischen dem, was im Leben gestaltbar ist oder was einfach hingenommen werden muss, liegt (nach Riemann). Dafür bekommt man aus der Betrachtung des Horoskops Hinweise.

Durch einfühlsames Verstehen verbinden sich die Dialogräume der verschiedenen Personen teilweise miteinander. Dabei verflüssigen sich häufig verhärtete Gefühle, Erinnerungen werden neu wahrgenommen und Gedanken ordnen sich. Das ermöglicht eine weitere Entwicklung und Verbesserung der Beziehung unserer Seelenteile zueinander. Jedenfalls nehmen die vernichtenden „Selbst“ - Beurteilungen ab.

Wie sie sehen geht es um sehr intime Vorgänge des Seelenlebens. Daher ist die Selbsterfahrung besonders wichtig, wenn man Therapien macht. Je ausgedehnter die Selbsterfahrung, desto genauer kann man mit den eigenen Gefühlen umgehen, sie benennen und fließend erhalten. Das ist besonders wichtig um nicht durch eine unachtsame Beeinflussung, die Entwicklung des Gegenübers zu stören und um unsere eigene Durchlässigkeit zu erhalten.

Hier ist Platz auch über den Unterschied zwischen Therapie und Beratung zu sprechen. Denn ich höre oft den Ausdruck: astrologische Beratung. Beratung ist an sich eine Sonderform der Beziehung, bei der es sich hauptsächlich um Wissensweitergabe handelt. So ist meistens ein Arztbesuch auch eine Beratungssituation. Die zuvor genannte Selbsterfahrung ist dabei nicht im Mittelpunkt. Allerdings: so wie Wissen, beispielsweise das astrologische in der therapeutischen Beziehung vorteilhaft ist; so ist bei dieser Beratungssituation die Selbsterfahrung von Vorteil, ja geradezu unabdingbar. Auf jeden Fall ist eine astrologische Beratung nur bei solchen Menschen zu suchen, die ihre Grenzen kennen und beispielsweise Zukunftsdeutungen vermeiden.

Ich persönlich habe gute Erfahrungen gemacht, die ich gerne mitteilen will. Das eine ist das astrologische Wissen als Therapeut: Auch wenn ich davon nicht viel besitze, so ist sie mir insofern wichtig geworden, weil sie mir die große Vielfalt menschlicher Wirklichkeit zeigt und so das wichtigste Instrument der Therapie, nämlich die vorurteilslose Wahrnehmung der anderen Person wesentlich erleichtert. Das andere positive Erlebnis hatte ich als Klient: Ich hatte die Möglichkeit einer längeren astrologischen Beratung im Rahmen von 12 Einheiten in etwa wöchentlichen Abständen zu bekommen, damit war natürlich eine innere Auseinandersetzung möglich, die einem Therapieprozess gleichkam. Allerdings da meine ich, ist die Selbsterfahrung der beratenden Person wirklich notwendig, damit genügend Offenheit und freie Entwicklung entstehen kann.

Nun noch das Wichtigste:

Es ist eine Lebenskraft, die uns drängt das Leben zu gestalten, uns Erlebnissen hinzugeben und das Bewusstsein damit zu entwickeln. In der Psychotherapie nennt man das die Aktualisierung. Von der Astrologie her gibt es reichlich Hinweise in welche Richtung diese Aktualisierung gehen könnte.

Andererseits kommt uns das lebendige Leben entgegen. Wir werden von unserem Schicksal gestaltet. Das Leben offenbart sich so in uns und durch uns. Bei dieser Art Gestaltung bedeutet Psychotherapie mitmenschliche Begleitung. Die Astrologie sucht anscheinend schon Jahrhunderte lang diese Offenbarung. Gemeinsam ist beiden das Erkennen der Würde des Menschen.

Zusammenarbeit ist sicher möglich, wenn die Therapie astrologisches Wissen zur Verfügung hat; und wenn die Astrologie ausreichende Selbsterfahrung im Dialogischen besitzt.

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